
In Bildern meiner Freizeitbeschäftigung, dem Modellfliegen, sehe ich Parallelen zu meinem Berufsalltag. Wir veranschaulichen anhand des Vogelflugs und der Aerodynamik, wie wir uns durch ständige Optimierungsschritte dem Ideal nähern. Ebenso sind in Prozessabläufen fortwährende Optimierungsschritte sinnvoll und notwendig.
Selbst 120 Jahre nach den ersten Versuchen von Otto Lilienthal ist die Wirtschaftlichkeit des Flugverhaltens von Vögeln für uns Menschen immer noch ein unerreichbarer Traum.

Die rasante Entwicklung von Luft- und Raumfahrt haben uns zwar bereits über die Grenzen des Universums hinweg getragen. Wir fliegen schneller und weiter als die Vögel. Aber keines unserer Konstrukte erreicht deren ideales Flugverhalten.
Wir sind weit davon entfernt, auch nur annähernd die Leistungswerte von Vögel zu erreichen. Das Verhältnis zwischen Aufwand an Energie und Leistung an Nutzlast und Distanz liegt bei den Vögeln immer noch um das Vielfache höher als bei allen menschlichen Nachbauten. Um darzustellen, wie weit weg wir noch vom Idealzustand sind, listen wir einige Merkmale auf, wo Vögel jedem Fluggerät nach wie vor überlegen sind:
Vögel schaffen eine punktsichere Navigation über weite Strecken - ohne energiefressende Orientierungssysteme.
Vögel sind in der Lage, beinahe das Eigengewicht an Nutzlast zu transportieren.
Wir beschränken wir uns hier nur auf die aerodynamisch relevanten Aspekte. Schon hier sind wir nicht annähernd in der Lage, ein so komplexes System wie die Steuerung durch Flügel und Federn nachzubauen. Wir schaffen nicht einmal die aerodynamische Idealform, wie sie in unserer Animation in fliessend wechselnden Stellungen aufgezeigt wird. Es fehlen uns schlicht die leichten, höchst flexiblen aber stabilen Baustoffe, welche die Natur in Form von Federn und Knochen produziert.
Mit Blick auf die Wirtschaftlichkeit und die Konstruktionstechnik ist der Vogelflug nach wie vor das Ideal, an dem sich Forschung und Entwicklung orientieren. Wie Sie sehen, lohnt sich die Auseinandersetzung mit Idealen. Sie dienen als Richtschnur. Sie sind sind der primäre Orientierungspunkt, den man bei Prozessoptimierungen stets im Auge behalten soll. Denn nur über das Erkennen des Idealzustands können wir Visionen des Wünschbaren entwickeln.
In der Aviatik nach wie vor wünschbar sind:
Dass diese Ideale vielleicht nie erreichbar sind, spielt eigentlich keine Rolle bei der Prozessoptimierung. Wir konzentrieren uns bei der Prozessoptimierung eben nicht am Ideal sondern am Machbaren. Damit sind wir beim Wortbestandteil "Optimum".
Versteigen wir uns für einmal nicht ins Berater-Fachchinesisch: Das Optimum ist – einfach ausgedrückt – das Beste, was möglich ist.
Das Beste, was möglich ist
Hier genau liegt der Schlüssel zur Prozessoptimierung, denn was möglich ist, ist dem Wandel der Zeit unterworfen. Stetig werden neue Technologien entwickelt, das personelle Umfeld verändert sich, mehr oder andere Mittel stehen zur Verfügung. "...was möglich ist" deutet auf Veränderungen hin. Damit ist klar: Prozessoptimierung ist ein permanenter Vorgang.Â
Wir können also folgenden Schluss ziehen: Wer Optimierung sinnvoll betreibt, muss sich laufend über alle Veränderungen und Entwicklungen orientieren. Durch Forschung und Entwicklung ergeben sich oft schneller als man denkt Gelegenheiten, um einen bestehenden Prozess zu verbessern.
Betrachten wir das einmal abstrakt:
Für die Prozessoptimierung sind also mehrere Vorgänge unabdingbar:
1. Wie sieht das Ideal aus?
Ganz zuerst zeichnen ein klares Bild von unserem Ideal. Wir beschreiben unseren Traum, unser Wunsch, unser Ziel. Dieses Ideal dient uns als leuchtender Fixstern, als Leitbild.
2. Definition des optimalen Zustands
In diesem zweiten Schritt definieren wir, was unter den gegebenen Umständen möglich ist. Hier wird der operativ mit den aktuell zur Verfügung stehenden Resourcen erreichbare Sollzustand festgelegt.
3. Analyse des gegenwärtigen Zustands
Wir halten den gegenwärtigen Zustand fest, mit all seinen Nachteilen und Unwägbarkeiten.
4. Vom Ist-Zustand zum Optimum
Die vierte Phase zeigt auf, wie wir vom gegenwärtigen Zustand zu dem Optimum kommen, welche zu den gegebenen Umständen erreicht werden können. Dies sind ist die Grundlage für die Projektplanung und das Projektmanagement.
5. Investionszyklen überspringen - die Zukunft planen
Im fünften Schritt halten wir fest, was alles noch fehlt, um vom Optimum zum Idealzustand zu gelangen. Durch diese Festhaltung sind wir in der Lage, die weiteren Schritte der Prozessoptimierung abzuschätzen. Die Schlussfolgerungen daraus erzielen oft einen verblüffenden Effekt: Ist die notwendige intellektuelle Ausseinandersetzung mit zukünftigen Entwicklungen korrekt gemacht, können oft ein oder zwei Investitionszyklen übersprungen werden. Das zahlt sich aus.
Als langjähriger Unternehmensberater kenne ich viele Entwicklungsabläufe aus der Praxis. Immer wieder ist es mir gelungen, durch eine leicht erweiterte Perspektive Lösungen zu finden, welche meinen Kunden langfristig massive Ersparnisse gebracht haben. Ich scheue keinen Aufwand, um mich auf meinen Fachgebieten laufend über den aktuellen Stand von Forschung und Entwicklung zu informieren.
Meine Erfahrung hilft mir, die auf anderen Fachgebieten gewonnenen Erkenntnisse in die aktuellen Aufgabenstellungen einfliessen zu lassen. Methoden der Prozessoptimierung in der Nahrungsmittelversorgung können durchaus auch im Gesundheitswesen eingesetzt werden und umgekehrt.
Mit Prozessoptimierung hat auch eines meiner Hobbies zu tun. Geduld, Planung und Weitsicht sind gute Voraussetzungen für den Bau von Modell-Segelflugzeugen. Jetzt begreifen Sie, mit welcher Bewunderung und Sehnsucht ich die Flugkünste der Vögel betrachte.
Herzlichst
Ihr Bruno Neeser

Was wir von den Vögel lernen können: Gedanken zu Ist-Zustand, Optimum und Idealen
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Bruno Neeser und Maria Winkler
ISBN 978-3-905413-15-1Â